Tierwohl

Die REWE International AG steht als Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel seit langem für Innovationen und Programme zur Verbesserungen des Tierwohls. Das Ziel ist nachhaltige Verbesserungen in der Nutztierhaltung voranzutreiben. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist eine Branchenlösung in der österreichischen Bio-Eiererzeugung: Seit 2016 konnte durch maßgebliche Unterstützung der REWE International AG das Ende des Tötens männlicher Küken nach dem Schlupf erwirkt werden. Auslöser war das "Ja! Natürlich" Pionierprojekt "Eier mit Liebe gemacht".

Mit derartigen Maßnahmen greift die REWE International AG auch die steigende Erwartung der KonsumentInnen an eine gesellschaftlich vertretbare Form der Tierhaltung auf. Angesichts globalisierter Märkte und wiederkehrender Skandale in der tierischen Erzeugung arbeitet die REWE International AG aktiv an Lösungen, um gemeinsam mit Landwirtschaft, Tierschutzorganisationen und anderen Akteuren eine nachhaltigere, gesellschaftlich vertretbare Form der Tierhaltung in Österreich auf den Weg zu bringen. Die REWE International AG stellt sich auch in Zukunft den Herausforderungen und will ihre Vorreiterrolle weiter ausbauen. Vor diesem Hintergrund zeigt die "Tierwohl-Strategie" den Wirkungsbereich der REWE International AG zur Verbesserung des Tierwohls im Eigenmarkensortiment auf und definiert die Handlungsfelder für das Engagement.

"Ja! Natürlich" Freilandschweine

Vor 15 Jahren wurde in enger Zusammenarbeit mit Biobauern das Freilandschweine-Projekt gestartet, im Rahmen dessen die Schweine das ganze Jahr über auf weitläufigen Äckern und Wiesen im Freien leben. 15 Bio-Betriebe sind bisher Partner dieses Programms. Sie lieferten im Jahr 2016 4.300 Mastschweine an Ja! Natürlich.

"Ja! Natürlich" Strohschweine

Dem ersten Pionierprojekt: "Freilandschweine" folgten Verbesserungen in der Haltung aller anderen Bio Schweine. Bereits seit 2008 sind bei Ja! Natürlich ausreichende Auslaufflächen für alle Schweine verpflichtend. Neben ausreichend Platz im Stall wurde Auslauf ins Freie verpflichtend eingeführt und Ausnahmeregelungen der Bioverordnung eine Absage erteilt.

Seit 2015 werden 100 Prozent dieser "Ja! Natürlich" Schweine (2016: 13.500 Mastschweine) auf Stroh gehalten. Das Stroh dient als Einstreu, als Beschäftigungsmaterial und weiche Unterlage zum Liegen und garantiert so beste Bedingungen in der Schweinehaltung.  

"Ja! Natürlich" beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Lösungsansätzen zur Verhinderung der betäubungslosen Ferkelkastration. Es konnten bereits zahlreiche Zuchtbetriebe zu einer Umstellung auf Kastration mit Schmerzausschaltung und nachfolgender Schmerzbehandlung bewegt werden. Diese Zuchtbetriebe verfügen über eine jährliche Produktionskapazität von 13.000 Ferkel.

Ziel von "Ja! Natürlich" ist es, dass ab 2018 bei allen Ferkellieferanten die Kastration nur mehr mit Betäubung und Schmerzbehandlung durchgeführt wird.

Pionierprojekt "Moosdorfer Haushuhn & Gockelhahn"

Einen Meilenstein beim Tierwohl konnte "Ja! Natürlich" mit dem Pionierprojekt "Moosdorfer Haushuhn & Gockelhahn" setzen. Mit Unterstützung der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN wurde dem Töten der männlichen Küken ein Ende gesetzt. Da die männlichen Tiere weder Eier legen noch sich für die Mast eignen, wurden sie üblicherweise nach der Geburt getötet. Im Rahmen des Projektes "Moosdorfer Haushuhn & Gockelhahn" wurde neben der Aufzucht der weiblichen Küken auch die Aufzucht der männlichen Küken realisiert. 2016 ist die Bio-Branche in Österreich diesem Beispiel gefolgt, während andere Länder wie beispielsweise Deutschland oder die Schweiz noch immer nach flächendeckenden Lösungen ringen. Nach jahrelanger Forschungsarbeit konnte "Ja! Natürlich" im Jahr 2013 mit "Eiern mit Liebe gemacht", dem "Moosdorfer Gockel" und dem "Hühnerwürstel-Mix" die ersten Produkte aus dem Projekt vermarkten.

Keine Anbindehaltung für "Ja! Natürlich" Milchkühe

"Ja! Natürlich" Milchkühe sind in den Sommermonaten während der Vegetationszeit rund 120 Tage im Jahr auf Wiesen, Weiden und Almen unterwegs. Dies war "Ja! Natürlich" zu wenig und gemeinsam mit Molkereien und Biobauern-Vertretern wurden Änderungen eingeleitet. Seit 2016 genießen alle 5.500 Trinkmilchkühe das ganze Jahr über ungehinderte Bewegungsfreiheit und Auslauf, d.h. sie sind 365 Tage im Jahr frei und sind auch im Winter nicht im Stall nicht angebunden. Zur Umsetzung dieses Programmes waren organisatorische und logistische Herausforderungen wie eine separate Sammlung und Verarbeitung dieser "Freilauf"-Milch zu bewerkstelligen. Was bei Trinkmilchkühen gelungen ist, wird nun Schritt für Schritt für alle anderen Ja! Natürlich Milchkühe umgesetzt, sodass zukünftig auch Joghurts, Käse, Butter, etc. aus 365 Tage Freilaufhaltung stammen.

Eine Sonderstellung nimmt unsere Premium-Milch die "Ja! Natürlich" Heublumenmilch ein. Neben   ganzjährigem Freilauf punktet sie zusätzlich mit silofreier Fütterung und einer besonders schonenden Verarbeitung.

Bei Jungrindern ist ganzjährige Freilaufhaltung bereits seit vielen Jahren "Ja! Natürlich" Standard. 12.000 Mutterkühe mit ihrer Nachzucht genießen in der Vegetationsperiode die Weidemöglichkeit und ganzjährig, also 365 Tage, den ständigen Auslauf ins Freie.

Verbesserungen der Tierhaltung auch in der konventionellen Landwirtschaft: Gütesiegel "Tierschutz kontrolliert" von VIER PFOTEN

Nach vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit die in der Umsetzung des Ja! Natürlich-Projektes "Moosdorfer Haushuhn & Gockelhahn" gipfelte, wurde mit der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN ein nächster Schritt für konventionelles Fleisch vereinbart: Im Laufe des Jahres 2017 wird das von VIER PFOTEN entwickelte Gütesiegel "Tierschutz-kontrolliert" in Österreich auf den Markt gebracht. Die ersten Produkte werden "ALMO Almochsenfleisch" der Firma Schirnhofer sein, die bei MERKUR und PENNY angeboten werden.

Auch der "Tierschutz-kontrolliert" Standard zeichnet sich durch einen ganzheitlichen Zugang aus, da neben verbesserten Bedingungen für die Haltung auch zusätzliche Auflagen für Transport und Schlachtung der Tiere erfüllt werden. Gegenüber gesetzlichen Standards werden ein erhöhtes Platzangebot im Stall, verpflichtende Weidehaltung im Sommer, Verbot der Anbindehaltung, kurzer Transport u.a. gefordert. Deren Einhaltung wird sowohl bei den landwirtschaftlichen Betrieben als auch den Schlachthöfen durch eine unabhängige Kontrollstelle regelmäßig überprüft.

PRO PLANET zeichnet bessere Hühnerhaltung aus

Seit 2013 wird das Hühner-Frischfleisch der Eigenmarken "Hofstädter" und "mit Leib und Seele" nachhaltiger produziert. Das PRO PLANET Programm setzt neue Maßstäbe bei Tierhaltung und Management, wobei auch die Umwelt und Mastbetriebe von den Maßnahmen profitieren.

Alle PRO PLANET Hühner stammen ausschließlich von österreichischen Partnerbetrieben aus Kärnten und der Steiermark. Den Masthühnern steht rund 20 Prozent mehr Lebensraum und Tageslicht als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung. Mit Strohballen steht den Hühner auch zusätzliches Beschäftigungsmaterial und wichtige Ruheplätze zur Verfügung. Ebenso ist der Schutz der Tiere bei Verladung, Transport und Schlachtung streng geregelt. Positiv für Umwelt wirkt sich die Umstellung auf europäische Futtermitteln aus. Somit verzichten die REWE International AG ein Jahr früher als geplant - vollständig auf den Import von Soja aus Tropenregionen. Ein wichtiger Beitrag, um die negativen Auswirkungen des Sojaanbaus in Südamerika zu reduzieren, wie Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut, Monokulturen oder Einsatz von gefährlichen Pestiziden.

Im Jahr 2016 wurden 4,72 Millionen Masthühner nach den PRO PLANET Kriterien aufgezogen. Etwa 70 Hühnermastbetriebe nehmen am Programm teil. Bauliche Adaptionen, wie den Einbau von Fensterflächen, hat die REWE International AG im Jahr 2014 mit insgesamt 200.000 Euro unterstützt. Zudem verfügen alle Produkte mit dem PRO PLANET Label über einen Herkunftsnachweis.

Jeder Mastbetrieb wird einmal jährlich auf die Einhaltung der Richtlinien von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft. Bei den durchgeführten 133 Kontrollen wurden 5 schwere Mängel angezeigt, die zu einem sofortigen Ausschluss der betroffenen Tiergruppe aus dem PRO PLANET Programm führten.

Dass das Programm auch bei KundInnen positiv angekommen ist, zeigen die steigenden Verkaufszahlen. Der Anteil an nachhaltig produziertem Hühnerfleisch ("Ja! Natürlich" und PRO PLANET) ist bei BILLA und MERKUR in den letzten Jahren sukzessive gewachsen. Bei BILLA stammen bereits über 80 Prozent des verkauften frischen Hühnerfleisches aus nachhaltigerer Produktion.

Um die Entwicklung zu nachhaltigeren, tier- und umweltfreundlicheren Produktionsmethoden weiter voranzutreiben, wurde das PRO PLANET Programm auch von einem wissenschaftlichen Projekt begleitet, das 2016 abgeschlossen wurde. In Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und dem PRO PALNET Landwirt Michael Baldauf wurde die Aufzucht langsam wachsender Masthühnerrassen beobachtet und der Gesundheitszustand der Tiere überprüft.

"Aus Tierschutzsicht ist das Einzigartige am PRO PLANET Masthühner Projekt, dass neben einer Verbesserung der Haltungsbedingungen Grundlagen für eine nachhaltige Lösung der wichtigsten Tierschutzprobleme in der Masthühnerhaltung geschaffen wurden."

Ass.-Prof. Dr.med.vet. Knut Niebuhr, Veterinärmedizinische Universität Wien

Gänse

Stopfmast und Lebendrupf ist in vielen Ländern Europas in der Gänsehaltung im Gegensatz zu Österreich nach wie vor erlaubt und auch in Österreich werden immer noch diese Produkte verkauft. Um diese qualvollen Praktiken auszuschließen, bietet die REWE International AG einerseits österreichische Ware an. Zusätzlich wird ausländische Ware nur von Betrieben gekauft, die von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN freigegeben wurden. Damit wird sichergestellt, dass die Betriebe regelmäßig kontrolliert werden und die Gänse weder gestopft noch lebend gerupft wurden. Ebenso ist Auslaufhaltung vorgeschrieben.

Legehennen

Seit 2012 ist ein EU-weites Verbot der konventionellen Käfighaltung für Legehennen in Kraft. Die REWE International AG geht noch einen Schritt weiter: In Eigenmarken-Produkten wie zum Beispiel Nudeln oder Backwaren dürfen nur Eier aus Boden- und Freilandhaltung verarbeitet werden. Um das Sicherzustellen zu können, verlangt die REWE International AG von ihren Produzenten seit 2013 eine entsprechende Zertifizierung oder eindeutigen Nachweis. Das dabei empfohlene Zertifizierungssystem (HG-Zertifizierung) der anerkannten Prüfstelle AgroVet, soll KonsumentInnen Sicherheit geben, dass dieses Produkt keine Eier aus konventioneller Käfig- oder Kleinvolierenhaltung enthält.

Bereits 1994 war BILLA Vorreiter, als man Käfigeier aus den Regalen verbannte. Andere Lebensmittelhändler folgten diesem Beispiel und seit 2009 ist in Österreich generell die konventionelle Käfighaltung verboten. Aufgrund von Preissteigerungen bei Eiern sowie eigenen Qualitätssicherungssystemen haben sich aber bisher nicht wie geplant alle Eigenmarken-Hersteller zertifizieren lassen. Von allen Lieferanten liegt eine Bestätigung vor, dass in den Eigenmarken-Produkten keine Käfigeier verarbeitet werden. Um das Thema weiter voranzutreiben hat die REWE Group 2016 eine Erklärung abgegeben, auch in allen Länderorganisationen bis spätestens 2022 keine Käfigeier mehr einzusetzen.

Übersicht Tierwohlstrategie

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