Männer an den Herd!

Autor Jan Dörrich Projektmanagement Nachhaltigkeit

Zugegeben, der Titel dieses Beitrags ist etwas klischeebehaftet, drückt aber meine Erfahrungen der letzten Monate als hauptberuflicher Kinderversorger aus. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was Karenz mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Für mich war es auf jeden Fall eine nachhaltige Erfahrung! Es verstärkte beziehungsweise schuf ein Verständnis für die Herausforderungen des (in Österreich meist weiblichen) Erziehungsverantwortlichen und trug so zu einem besseren Geschlechterverständnis bei – ganz im Sinne erfolgreichen Diversity Managements.

Karenz ist kein Kinderspiel

Ich hatte die großartige Möglichkeit, im Herbst für vier Monate eine berufliche Auszeit zu nehmen und mich im Rahmen der Karenz ganz der Kindererziehung zu widmen. „Erzogen” wurde jedoch erst einmal ich. Träumte ich vor der Karenz noch von einer Art verlängertem Urlaub, wurde mir als Hauptverantwortlicher für meine zwei Kinder schnell bewusst, dass hier Top Management-Skills notwendig sind, um einem drohenden Chaos in Form von schreienden Kindern, überfüllten Wäschekörben und ständig schmutziger werdenden Einrichtungsgegenständen Herr zu werden.

All diese Aufgaben – die zumeist gleichzeitig zu bewältigen waren (wobei Mann bekanntlich nicht allzu multitaskingfähig ist) – brachten meinen Blutdruck in die Höhe und weiße Haare auf mein Haupt. Der Respekt gegenüber meiner Frau, die den Haushalt eineinhalb Jahre lang bewältigt hatte, stieg von Minute zu Minute. Auch das Verständnis für ihre große Freude, anstatt meiner wieder arbeiten gehen „zu dürfen” und mit Gleichgesinnten eine normale Konversation führen zu können, die nicht von Kindern handelt, war plötzlich da.

Eine nachhaltige Erfahrung

In diesem Sinne kann ich nur jeden männlichen Kollegen ermutigen, die Chance zu nutzen, eine Zeit lang für seine Kinder verantwortlich zu sein. Es erweitert die Perspektive und man lernt schnell die Arbeit des erziehenden Partners zu schätzen und zu würdigen. Karenz ist definitiv kein Urlaub und vermutlich emotional eine der aufreibendsten Erfahrungen, nichtsdestotrotz möchte ich keinen Tag dieser wunderbaren Zeit missen. Bedanken möchte ich mich bei meinen KollegInnen, die mir durch ihre Flexibilität diese Auszeit erst ermöglicht haben. Dadurch konnte ich mich voll auf das Vater-Dasein konzentrieren – eine wichtige Voraussetzung, um diese Herkulesaufgabe bewältigen zu können!

Fotocredits: REWE International AG

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