Vollwertige Teammitglieder

Caroline Wallner-Mikl
Caroline Wallner-Mikl Disability Manager

Auf den ersten Blick, gleicht die BILLA Filiale in der Lerchenfelderstraße wie jeder anderen. Auch auf den zweiten Blick würde man nicht wahrnehmen, dass hier unter dem Team vier MitarbeiterInnen mit Behinderung arbeiten. Behinderung muss nicht sichtbar sein. Dass diese Integrationen hier möglich sind, hat mit einer überaus engagierten Marktmanagerin zu tun, die mit Herz und Verstand dem Thema gegenüber offen ist, aber auch das restliche Team diese Entscheidung voll und ganz mitträgt. Die vier Mitarbeiter schätzen ihre Chefin sehr und sind ihr dankbar, dass sie aus ihnen Fähigkeiten herausgekitzelt hat, von denen sie selbst nicht wussten. Hört man dieser Marktmanagerin über die guten Erfahrungen und den herausfordernden Situationen zu, dann weiß man, dass man es hier mit einer Expertin zu tun hat, die das Herz am richtigen Fleck hat. Unterstützung erhält sie durch das Projekt Mentorix, die BewerberInnen vermitteln und bei der Integration unterstützen. Der Regionalmanager und die Marktleiterin wollen auch andere KollegInnen ermutigen, Menschen mit Behinderung aufzunehmen und haben vor kurzen sogar eine eigene Informationsveranstaltung dazu gemacht.

Lesen Sie hier, welche Erfahrungen der Regionalmanager, die Marktmanagerin und auch ein Mitarbeiter mit Behinderung machen und welche Tipps sie geben:     

Regionalmanager:

Wie wurden Sie überzeugt, dass Menschen mit Behinderung auch wertvolle MitarbeiterInnen sein können?

Durch die Zusammenarbeit mir Fr. Hofmann und ihrem Team bin ich eigentlich das erste Mal in Kontakt mit Mitarbeitern mit Behinderung gekommen. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass diese Mitarbeiter (drei fest angestellte Mitarbeiter und ein Praktikant) eigentlich vollwertige Teammitglieder sind und wichtige Aufgaben selbstständig übernehmen. Ein Mitarbeiter z.B.: kann neben Regalbetreuung auch Kassieren oder ein anderer kümmert sich neben der Getränkestraße auch um die Tiefkühlware. Kann selbstständig bestellen und inventieren. Er kümmert sich um Kundenanfragen und erledigt noch viele weitere Aufgaben. Die Mitarbeiter mit Behinderung in der Filiale Lerchenfelder Straße sind eine Bereicherung für das Team und ein fester und wertvoller Bestandteil dieses Teams. Aus diesem Grund habe ich auch die Kooperation mit dem Verein Mentorix angestoßen und hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr solcher Mitarbeiter bei uns haben werden. Die Mitarbeiter sind bestens ins Team integriert und werden auch von den restlichen Mitarbeitern um Rat gefragt. Sie sind sehr motiviert und haben Freude bei der Arbeit. Die Mitarbeiter haben eigene Aufgabenbereiche um die sie sich eigenverantwortlich kümmern und sie erledigen ihre Aufgaben auch sehr ordentlich. Für mich war es erstaunlich wie breit das Aufgabenspektrum ist, welches diese Mitarbeiter übernehmen können. Wenn man sich ausreichend Zeit nimmt um die MitarbeiterInnen an die Aufgaben heranzuführen und sie dabei unterstützt dann sind die MitarbeiterInnen auch sehr vielseitig einsetzbar. 

Gibt es ein Schlüsselerlebnis?

Es gibt noch sehr viele gute Beispiele, die meine Erwartungen an einen Mitarbeiter einfach bei weitem übertroffen haben.Wir hatten an einem Wochenende eine Bieraktion (-25% auf Bier) und ich bin am Donnerstag die Filialen durchgefahren um zu schauen ob auch alle ordentlich darauf vorbereitet sin, da wir mit sehr viel Umsatz gerechnet haben. Als ich in die Filiale Lerchenfelder Straße kam, habe ich ziemlich gestaunt: Die Getränkestraße war bis auf den letzten Millimeter voll. Neben dem Regal waren Bierdosen sortenrein aufgebaut und ordentlich ausgepreist. Alles war so wie man es sich als Vorgesetzter wünscht. Der Mitarbeiter mit Beeinträchtigung kam gleich zu mir und fragte, ob ich zufrieden bin und ob er das richtig gemacht hat. Natürlich war ich zufrieden und habe gleich eine Runde mit ihm gemacht. Er erklärte mir, dass er die Aktionsartikel zusätzlich platziert hat, weil er sich auf Grund des schönen Wetters gute Umsätze erhofft und die Aktionsartikel natürlich noch gefragter sein werden. Danach hat er mir noch seine Reserve im Lager gezeigt - meine Begeisterung nahm kein Ende. Er hatte ausreichend Reserveware bestellt und diese ordentlich und sortenrein auf Container geschlichtet. Dazu gab es gleich auch eine Begründung, warum er von diesen Sorten so viel bestellt hatte und ich war sprachlos. Ich war wirklich fasziniert wie gut seine Überlegungen aus kaufmännischer Sicht waren. Er hatte einfach an alles gedacht und es auch toll umgesetzt. Mengen, Sortiment, Präsentation, Preisauszeichnung, Sauberkeit, einfach alles hat gepasst.

Marktmanagerin

Wie sind Sie zum Thema Beschäftigung von Menschen mit Behinderung gekommen:

Vor ca. 20 Jahren, als ich noch bei der Fa. Zielpunkt beschäftigt war, kam ein Mitarbeiter eines Institutes für Menschen mit Beeinträchtigung direkt zu mir ins Geschäft. Nach einem längeren Gespräch wurde einen Praktikumsplatz für einen Praktikanten vereinbart. Dieser Praktikant wurde damals von Zielpunkt aufgenommen und nach der Insolvenz von Billa übernommen.

Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit eine Integration klappt?

Das wichtigste ist Zeit und Geduld. Ich versuche herauszufinden, wo die Stärken und Schwächen des Praktikanten liegen.

Welche Erfahrungen machen Sie und was empfehlen Sie KollegInnen?

Durch ein funktionierendes Team, fällt es dem Praktikanten natürlich leichter, sich wohlzufühlen und akzeptiert zu werden. Dadurch erlangt er mehr Selbstvertrauen und wird dadurch motiviert, nach und nach seine Fähigkeiten, die oft versteckt vorhanden sind, auszubauen. Nicht die Geduld verlieren, wenn ab und zu ein Rückschritt erfolgt-nicht gleich entmutigen lassen – nochmals probieren.

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, an das Sie gerne zurückdenken?

Mein Schlüsselerlebnis lag schon in meiner Kindheit, als ich eine Spielkameradin mit Down Syndrom hatte. Nach anfänglicher Skepsis, entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft.

Mitarbeiter mit Behinderung

Was schätzen Sie an ihrem Arbeitsplatz?

Ich schätze es sehr, dass ich eine Vorgesetzte habe, die mir die Chance gegeben hat überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Die Chance vielfältige Aufgaben übernehmen zu können und mich selbst weiterzuentwickeln, sind für mich genauso wichtig, wie die Möglichkeit in einem netten Team arbeiten zu können. Lob von Kunden rundet das Ganze noch ab.

Was würden Sie KollegInnen oder BewerberInnen mitgeben?

Ich würde jedem Bewerber empfehlen positiv an die Arbeit heranzutreten. Eine positive Grundeinstellung ist das wichtigste. Geduld und Offenheit gegenüber den KollegInnen und Vorgesetzen sind ebenfalls Eigenschaften die man mitbringen sollte damit die Zusammenarbeit klappt.

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, an das Sie sich gerne zurückerinnern?

Vor ca. 10 Jahren hatte ich einen privaten Schicksalsschlag, der mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat und ich große Selbstzweifel hatte. In dieser für mich sehr schweren Zeit habe ich sehr viel Rückhalt in der Arbeit und bei meinen Kollegen, vor allem der Marktmanagerin, gehabt. Ich wurde ermutigt mich nicht unterkriegen zu lassen und an mir zu arbeiten. Dies hat soweit geführt, dass ich mich an der Volkshochschule, ein Programm für Menschen mit Beeinträchtigung, angemeldet habe und schlussendlich auch meinen Abschluss geschafft habe. Dies hätte ich ohne die Unterstützung des Teams und besonders durch Marktmanagerin, sicher nicht geschafft. 

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