Leuchtende Sterne unter dem REWE-MitarbeiterInnen-Himmel

Caroline Wallner-Mikl
Caroline Wallner-Mikl Disability Manager

Menschen mit Asperger-Autismus haben spezielle Fähigkeiten, eine hohe Zahlenaffinität, Genauigkeit, einen Blick für Details, sowie Prozess- und Analysefähigkeit. Allesamt Kompetenzen, die Führungskräfte bei ihren MitarbeiterInnen, insbesondere in den Bereichen IT, Lohnverrechnung, Buchhaltung, Controlling oder Datenmanagement suchen. REWE International AG hat dieses Potential erkannt und beschäftigt mittlerweile 4 MitarbeiterInnen mit Autismus in der Zentrale in Wiener Neudorf. Beim Recruiting als auch dem Integrationsprozess erhalten die Teams professionelle Unterstützung von der Organisation „Specialisterne“. Eine Person aus der KollegInnenschaft nimmt eine Mentorenrolle ein und ist während der Eingliederungsphase und auch danach eine Ansprechperson für die/den neue/n KollegIn.

Lesen Sie hier, wie es Führungskräften, KollegInnen, MentorInnen und einer neuen Mitarbeiterin beim Start der Zusammenarbeit ergangen ist:

Romana Pichler (Gruppenleiterin Data & Logistik Management – Zentraleinkauf):
„Selbstverständlich gab es anfangs Unsicherheiten und viele Fragen: Kann ich als Führungskraft diese Herausforderung meistern? Wie komme ich damit klar? Wie gehe ich mit Menschen mit Autismus um? Wie wird mein Team mit dieser Herausforderung umgehen? Wie kann der Arbeitsalltag für unsere neue Kollegin aussehen? Wie kann ich meine Mitarbeiterin unterstützen, wenn es zu Konflikten kommt?

Die Unsicherheiten wurden in erster Linie durch umfassende Gespräche mit unserer Disability-Managerin, KollegInnen im Konzern, tolle Unterstützung durch Specialisterne, Team-Workshops und nicht zuletzt durch unsere neue Kollegin selbst ausgeräumt, die sich durch ihre rasche Auffassungsgabe, Genauigkeit und ihrem Ehrgeiz auszeichnet. Unsere Kollegin ist eine Bereicherung für die gesamte Abteilung. Wir achten im Team bei der Kommunikation verstärkt auf Klarheit und Präzision und gehen sorgsamer miteinander um.
Mein Credo: Ich kann nicht alles planen und schon gar vorhersehen, ich kann mich aber sehr wohl mit einer offenen Haltung diesem Thema stellen und bei Unsicherheiten auf kompetente Hilfe vertrauen. Glücklicherweise gibt es ausgezeichnete Unterstützung im Konzern durch erfahrene Menschen. Vielen Dank an ALLE!“

Liliane UKO (Mentorin, IT-Filialservice):
„Als Mentorin konnte ich mich selbst besser kennenlernen und weiterentwickeln. Meine anfängliche Angst war, dass ich Clemens beleidigen oder kränken könnte, indem etwas tue oder sage. Mittlerweile weiß ich, dass ich auf mein Bauchgefühl vertrauen kann und damit richtig liege. Man braucht Menschen mit Behinderung nicht wie rohe Eier behandeln, es reicht nur ein wenig Rücksicht auf das was sie brauchen und gut ist es!“

Christina S. (neue Mitarbeiterin Masta Data Management - Zentraleinkauf):
„Ich habe keine Vorurteile oder Unsicherheiten der neuen KollegInnen erlebt, nur durch Erwähnen im Workshop habe ich davon erfahren, dass es sie vor meinem Arbeitsbeginn gab. Ich erlebe das Team als sehr angenehm, bemüht, mich zu integrieren und das Betriebsklima als sehr wertschätzend. Besonders dass jede/r Mitarbeiter/in eine/n eigene/n Mentoren/in hat, finde ich sehr gut. Soweit ich das jetzt schon abschätzen kann, ist es genau der richtige Aufgabenbereich für mich, da ich gerne mit Datenbanken und Excel Tabellen arbeite.“

Mariya Lazar (Gruppenleiterin Stammdaten/Filialberichte, Rechnungswesen BILLA):
„Die Herausforderung war die anfängliche Hemmschwelle zu überwinden und Menschen mit Beeinträchtigungen eine Chance zu geben. Ich habe mir die Fragen gestellt: Haben wir dann mehr Arbeit, weil wir den neuen Mitarbeiter „voll betreuen“ müssen? Kann die Arbeit vollwertig vom neuen Mitarbeiter erledigt werden? Aber bald habe ich feststellen können, dass diese Bedenken unberechtigt waren. Die anvertrauten Aufgaben werden mit vollem Engagement erledigt. Das Team ist freundlich und hilfsbereit. Ein Lob wirkt bei ihm 10 Mal mehr als bei anderen. Das heißt auch, ihm manchmal in seinem Ehrgeiz zu bremsen. Mein Mitarbeiter ist sehr pflichtbewusst, pünktlich und genau. Er fühlt sich wohl bei uns und seine große Freude an der Arbeit steckt uns alle an.“

Team Zentraleinkauf 1– Masta Data Management:
„Veränderung bedeutet die gewohnte Umgebung zu verlassen, sich auf etwas Neues, Unbekanntes einzulassen, dessen Ausgang ungewiss ist. Doch genau solche Situationen machen das Leben aus. Sie führen dazu, dass das Leben nicht still steht, dass man sich weiterentwickelt. Auch wenn Veränderungen oftmals beängstigend sind, sind sie doch aufregend zugleich. Und hat man einmal einen Schritt ins Unbekannte gewagt, wird man danach nie mehr der sein, der man vorher war. Der Entschluss eine Autistin in unser Team aufzunehmen war ein Sprung ins Ungewisse. Doch nach nur kurzer anfänglicher Zaghaftigkeit im Umgang mit unserer neuen Kollegin, ist sie – besonders auch aufgrund ihres offenen und ehrlichen Wesens – mittlerweile ein Team-Mitglied wie jedes andere. Und eines ist sicher: Unsere anfängliche Unsicherheit hat sie uns genommen. Wir freuen uns diesen „speziellen“ Menschen in unserem Team zu haben.“

Isabella Pallendorf (Personalentwicklung Konzern HR-Management, HR- Partner):
„Wenn ich an die Bewerbungsgespräche denke, kommt mir diese große Freude und Dankbarkeit der Kandidaten eine Chance zu bekommen – einfach arbeiten zu dürfen - in den Sinn! Ich habe immer den Eindruck gewonnen, dass kein Weg zu weit, keine Hürde zu hoch ist – denn die Aussicht auf einen echten Job ist die größte Motivation! Mir geht bei so einem Engagement des Bewerbers einfach das Herz auf!“

Mehr Information zum Projekt Specialisterne finden Sie unter: http://at.specialisterne.com/

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